Mundart trifft auf Chorgesang: Spaß und Spiel in der „Sälwedder Schbroochschoul“ Von Rainer Habermann

So gut besucht hat man das Heimatmuseum selten gesehen. Die „Sälwedder Schbroochschoul“ („Selbolder Sprachschule“) lieferte mal wieder amüsante Kostproben ihrer Mundartgedichte und Kurzgeschichten. Neu allerdings war: Parallel dazu spielten junge Musiker des „Haus der Musik“, und sang der Liederkranz Neuwiedermuß so manches Ständchen. Fazit: ein gelungener Heimatabend der musikalischen Art bei „Full House“. Chordirektor Michael Schnadt, Heimatmuseumschef Dr. Manfred Keil sowie die beiden Selbolder DialektPoeten Hans Runkel und Herbert Röder waren die Protagonisten des Abends. Neben dem Ronneburger Chor, natürlich, und vielen, jungen Talenten aus dem Haus der Musik, die ebenfalls ihr ganzes, teilweise schon recht virtuoses Können zeigten. Etliche Smartphones zierten zudem das Bild des MuseumsCafés: Hat man selbige dort schon einmal gesehen? Selbstverständlich hat man! Aber es saßen eben auch viel mehr junge Eltern der jungen Musiker auf den Stühlen und Sofas der „heimeligen Hütte“, als sonst. Und hier geht heute – eben auch selbstverständlich – nix ohne (Smartphone). Eine „Heute“-Glosse der Frankfurter Rundschau bildete folgerichtig den Auftakt zum „dialektösen“ Geschehen. Aus den 90er Jahren allerdings, und Keil erinnerte daran, dass sich jene Glosse einst als Vorbild für die Mundartgruppe des Vereins für Geschichte und Heimatkunde – kurz: Heimatmuseumsverein, die „Sälwedder Schbroochschoul“, entwickelt hatte. „Mer sääd ja nix, mer red ja nur“ („man sagt ja nichts, man redet ja nur“), munkelte der Vorsitzende. Und Runkel sang das Hohelied des Chorgesangs: „E frohe Rund, e Glässche Woi, des Singe kann so herrlisch soi.“ Der Liederkranz ließ sich nicht lumpen, und fing gar mächtig an zu pumpen, die Luft in Lungens Flü- gel: „Hallelujah“ (ja, die Version von Altmeister Leonard Cohen), „Celebrate“, und schließlich „Chapel of love“. Ein Auftakt nach Maß. Nicht ohne historische Unterstützung (und die von Schnadt), denn der Gospel erinnerte stark an Hochzeit. „Es werd geheuroot“, heißt das im „Raal“, dem Selbolder Platt. Die alten Selbolder waren Bauern, hatten aber Witz und Charme. Röder, Runkel und Keil verkörpern beides noch heute. Kostprobe des Selbolder Witzes gefällig? Die Frau schilt ihren betrunkenen Mann: „Jetzt mach awwer, dass de enaus kimmst!“ Ein Passant hört das und ruft dem Mann zu: „Mach Disch ford, dou Simbel, bevor dei sisch des annersder iwwerleescht.“ Runkel setzt noch einen drauf: „Wie haast dann uff Englisch 'wie'?“, fragt Groß- vater seinen Enkel. – „How“ (hau), antwortet dieser. Der Großvater zum Jungen aus England, beim Jugendaustausch: „Ei guude, hau!“ Dann waren aber die Novizen dran; die musikalischen. Und wenn der Chef des Hauses der Musik, Schnadt, schon mal Klavier zu sechs Händen spielt, muss etwas Gescheites dabei herauskommen. Die Talenteförderung steht im Mittelpunkt der musikpädagogischen Bemühungen der Hanauer Musikschule, die es inzwischen auch in Langenselbold gibt. Einer stach regelrecht heraus: der neunjährige Julian Rass. Er riss mit einem Pianosolo das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin; nicht nur die Eltern der Musikschüler, sondern auch gestandene Selbolder. Kein Wunder (oder doch?): der (Wunder?-)Schüler ist Teilnehmer am Willy-BissingWettbewerb der Sparkasse Hanau für junge Instrumentaltalente.

Teilnahme an einer Tagung in Hailer-Meerholz

Die Herbsttagung des „Zentrums für Regionalgeschichte für die Heimat- und Geschichtsvereine im Main-Kinzig-Kreis (MKK)“ fand in diesem Jahr aus Anlass des 500jährigen Geburtstages von Meerholz-Hailer in der Jahnhalle der Gemeinde statt. Am 28. Oktober d.J. trafen sich Mitglieder der Vereine des MKK in der Turnhalle, um lokalgeschichtliche Vorträge zu hören und Gedanken auszutauschen. Vom Verein für Geschichte und Heimatkunde waren 3 Vertreter in die Jahnhalle gekommen, um sich nicht nur weiter zu bilden, sondern auch um persönliche Kontakte mit anderen Vereinsvertretern zu knüpfen, was nicht hoch genug bewertet werden kann. Nach Grußworten des neuen Landrates Thorsten Stolz und Vertretern der Stadt Gelnhausen berichtete zunächst der Vorsitzende des örtlichen Geschichtsvereins Kurt Hanselmann von der 450jährigen Ysenburger Geschichte in Meerholz. Nach der Kaffeepause zeigte Anna Sans Salellas Feldpostkarten vom 1. Weltkrieg in der Gemeinde, die in eidrucksvoller Weise die Kriegsrealität verdeutlichte. Im Anschluss konnte Hans Kreutzer das Auditorium mit Facetten aus dem 30jährigen Krieg beeindrucken.

Nach einer Mittagspause mit deftiger Suppe fanden Führungen im Heimatmuseum Meerholz und durch die gräfliche Parkanlage mit Schlosskapelle und Mausoleum statt. Gegen 17:00 Uhr ging die Tagung zu Ende.

Hermekruk - Anatomie eines 500-jährigen Denkmals

von links: Eva Cziommer (Schriftführerin). Dr. Manfred Keil (1. Vorstand), Bürgermeister Jörg Muth und Olaf Klaus (2. Vorsitzender) 

Von Hannah Pompalla - Hanauer Anzeiger

Als Dr. Manfred Keil mit Fürst Franz Alexander von Isenburg-Birstein im Jahr 2007 im Wald spazieren ging, machte er seinen Weggefährten auf eine mit Moos, Algen und Flechten bewachsene Stele aufmerksam. Doch er konnte ihm wenig über die myteriöse Statue sagen, die am Waldrand der „Abtshecke“ an der B40 zwischen Langenselbold und Gründau-Rothenbergen regelrecht verwilderte. Also beschloss der Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Heimatkunde Langenselbold, sie zu retten und zu erforschen. Doch noch immer gibt der „Hermekruk“ viele Rätsel auf.

Keil ließ den 2,50 Meter großen „Hermekruk“ aus Sandstein noch im Jahr 2007 restaurieren, seitdem steht er vor dem Langenselbolder Heimatmuseum. „Hermekruk“ lautet die offizielle Bezeichnung der Stele nach einer Eintragung in die topografische Karte. Die Statue zeigt ein Relief einer sogenannten Pietà, wie die Darstellungen Marias mit dem Leichnam Jesus genannt werden. Auf einer Art Sockel, der die Pietà trägt, ist die Jahreszahl 1517 in schmalen Rillen gemeißelt. Darunter ist der Spruch „GOT GNADE DER SELE AM“ (Gott Gnade der Seele, Amen) zu lesen.
 Am Sockel der Statue ist eine kniende Figur abgebildet, die in einen Umhang mit Kapuze gekleidet ist und am Rücken eine Art Hermelinmuster aufweist. Sie blickt betend zur Pieta hinauf. 
Ein Jahr lang hat Keil mit Irene Staeves, einer früheren Lehrerin in Birstein, geforscht, um das Geheimnis des „Hermekruk“ zu lüften. Ihre Ergebnisse haben sie nun im Juli unter dem Titel „Der Selbolder 'Hermekruk'. Anatomie eines 500-jährigen Denkmals“ in der Kulturzeitschrift „Hessische Heimat“ publiziert. „Wir wollen den Bürgern zeigen, was für ein wertvolles Denkmal wir hier vor der Tür haben. Es ist ein Symbol für die Stadt Langenselbold“, sagte Keil bei einer Präsentation der Forschungsergebnisse am Donnerstag. 
Es ranken sich viele Sagen um den „Hermekruk“. Eine der hartnäckigsten unter ihnen ist etwa, dass die Statue dem verunglückten Consul und Bürgermeister von Gelnhausen, Hermann Krug, gewidmet ist. Dieser hatte im 16. Jahrhundert gelebt und soll durch eine Holzfuhre zu Tode gekommen sein, die sich den Wingertshang hinab selbstständig gemacht hatte. Dafür spreche sein Grabstein in der Peterskirche zu Gelnhausen, der einen ähnlichen gotischen Vorhangbogen mit apikalen Kreuz getragen haben soll wie der „Hermekruk“. 
Aber diese Begründung hält Keil für nicht ausreichend. Merkwürdig findet er vor allem die grobe Behauung des Steins. „Der Künstler hat entweder sehr schnell gearbeitet oder er war kein Profi. Vor allem die Schriftzüge sind sehr dillettantisch“, so Keil. Es könnte sich genauso gut um einen Mönch gehandelt haben, der einem verstorbenen Klosterbruder ein Denkmal setzen wollte.
Zudem bedeutet „Herme“ oder „Hirme“ auf Mittelhochdeutsch ruhen und rasten. Das „Kruk“ könnte vom mittelhochdeutschen „Kriuz“ kommen, das wiederum vom lateinischen „crux“ für Kreuz stammt. Somit würde es sich um ein Ruhekreuz handeln, an dem man etwa während einer Wanderschaft eine Ruhepause einlegt. 
Diese These könnte eine Art Wappen auf der rechten Seite der Statue untermauern, dessen Relief oft für ein Weihwasserbehälter gehalten wird. Keil zufolge könnte es auch einen Widderkopf verkörpern. Das könnte auf Hermes hindeuten, der in der griechischen Mythologie der Schutzgott des Verkehrs, der Reisenden, Kaufleute oder der Hirten war. Das Mittelhochdeutsche „Harm“ heißt hingegen Leid und Schmerz. In Kombination mit einem Kreuz würde die Statue also ein Leidenskreuz darstellen. In Verbindung mit der Pietà und dem Spruch „Gott Gnade der Seele, Amen“, scheint es für Keil daher das Naheliegenste zu sein, dass es sich um einen Gedenkstein für eine verunglückte Person handelt. „Allerdings bleibt offen, für wen er geschaffen wurde und was passiert ist“, sagte Keil.
Ein Rätsel bilden auch die Schleifrillen an der linken Seite der Stele: Die flachen Mulden deuten wohl darauf hin, dass die Menschen hier Waffen oder Werkzeuge entschärft haben. Schließlich sind Wetz- und Schleifspuren öfters an Steinkreuzen oder Kirchenportalen zu finden: Früher war es Sitte, die Waffen vor dem Kirchgang zu entschärfen.
Unklar bleibt unterdessen, wo der „Hermekruk“ eigentlich herkommt. Denn bevor der „Hermekruk“ vor dem Museum aufgestellt wurde, war er an mindestens drei Standorten platziert. Dokumentiert ist, dass er sich im 19. Jahrhundert in den Kinzigwiesen von Langenselbold befand, etwa 300 Meter südlicher der Straße westlich des Betteweges, beim heutigen Weg zum Segelflugplatz. Er war einem Landwirt im Weg, der ihn deshalb vergrub. 1910 wurde der behauene Stein wieder ausgegraben und an die Fernstraße umgesetzt, bis er 1968 wegen Ausbaumaßnahmen der B 40 rund 100 Meter weiter in den Wald hinein nach Norden verrückt wurde. Vermutet wird außerdem, dass der Sandstein nicht aus Langenselbold stammt – das Gestein sei hier zu weich –, sondern eher aus Meerholz oder Büdingen.

Publikationen und Geschichtsblatt

Im Juli 2017 ist in der "Hessische Heimat" 67/1, 2017 eine Arbeit von Manfred Keil und Irene Staeves über den "Hermekruk" mit dem Untertitel "Anatomie eines 500jährigen Denkmals" (Lutherjahr!) erschienen. Diskutiert werden vor allem die handwerkliche Arbeit, die vielen Zeichen und der Anlass zur Fertigung der Stele aus Sandstein, die vor dem Heimatmuseum Langenselbold steht. Der Geschichtsverein nimmt die Publikation als Grundlage für das neue Geschichtsblatt Nr. 59. Dieses ist wie bisher im Museum als Kopie erhältlich. Für die, die das ganze Heft der "Hessischen Heimat" erwerben möchte, hält das Museum eine begrenzte Anzahl von Exemplaren parat. Auch in den Selbolder Buchhandlungen Borchers und Büchermeer ist es erhältlich.

Geschichtsblatt "Energiesparhaus vor 3400 Jahren"

Anfang Juli 2017 erschien ein neues Geschichtsblatt mit dem Titel "Energiesparhaus vor 3400 Jahren" (Nr. 58). Das Blatt enthält die komplette Publikation gleichen Titels von Irene Staeves, Mitglied im Gelnhäuser Geschichtsverein und ehrenamtlicher Helfer der Kreisarchäologie. Irene Staeves war auch 2003 bei der archäologischen Grabung auf der Langenselbolder "Steinheile" an der Straße nach Gründau dabei. Sie hat ihre Fundstücke untersucht, dokumentiert und veröffentlicht. Sie berichtet sehr detailliert über den vorgeschichtlichen Hausbau mit Holz und Lehm und kommt zu dem Schluss, dass es bereits vor 3400 Jahren, also zur MIttleren Bronzezeit, eine Wärmedämmung für Häuser gab, vergleichbar mit unseren heutigen Fertighäusern.

In diesem Zusammenhang sei auf die Darstellung der "Energiesparaktion des Landes Hessen" hingewiesen, die im Entree des Langenselbolder Rathauses zu sehen ist.

Das Geschichtsblatt ist im Museum gegen eine Schutzgebühr von 2,50 € erhältlich.