Plädoyers für den Dialekt

Johann Wolfgang von Goethe (Frankfurt, 1749 – 1832) :

"Jede Provinz liebt ihren Dialekt, ist er doch eigentlich das Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft."

Johann Wolfgang von Goethe hat mit dieser denkwürdigen Aussage dem Dialekt eine große Ehre erwiesen. Der weise Spruch wird immer dann hervorgeholt, wenn es darum geht, das Mundartsprechen zu "rechtfertigen", sei es im persönlichen Gespräch oder bei öffentlichen Veranstaltungen. Obwohl die Verwendung der Muttersprache eigentlich keine Rechtfertigung nötig hat, ist es doch sehr wohltuend und wirkungsvoll, wenn man zu diesem Thema einen so wichtigen Mann der Weltliteratur zitieren kann. Deshalb ist das Wort Goethes gewissermaßen oberster Grundsatz der Bemühungen, Mundart (wieder) zu einem Stück kulturellen Lebens werden zu lassen.

Gedicht von Hans Runkel, MItglied der Gruppe (Langenselbold, 2016):

En alle Lenner uff de Welt

hot jedes Volk sei eischen Schprooch.

E jeerer redd, wäi´s´em gefällt,

halt jerer wäi´e kann on mooch.

Die Schprooch es oam näit oogeboarn -

mer redd, wäi mer´s se´ierscht gehiert.

Suu wäi die ierschte Worte woarn,

däi uus die Modder hot gliehrt.

Übersetzung

In allen Ländern auf der Welt

hal jedes Land seine eigene Sprache.

Ein jeder redet, wie es ihm gefällt

und jeder wie er kann und mag.

Die Sprache ist einem nicht angeboren -

man redet, wie man es zuerst gehört.

So, wie die ersten Worte waren,

die uns die Mutter hat gelehrt.

Unser drittes Vorbild

Peter Geibel (1841 – 1901) dichtete:

,,Willst´de gäärn die Oamschel hiern, gieh en de groine Waald. 
Wann en de Noacht die Fenster friern, dann es´es meistens kaalt."

"Willst du gern die Amsel hören, geh´ in den grünen Wald.
Wenn in der Nacht die Fenster frier´n, dann ist es meistens kalt."

Vor allem in der Wetterau ist der Tierarzt aus Klein - Karben für seine Mundartgedichte bekannt. Hier hat er im ausgehenden 19. Jh. nicht nur Tiere behandelt, sondern dabei das ländliche Milieu studiert, den Leuten auf´s Maul geschaut und die Ergebnisse seiner Recherchen in Gedichten niedergeschrieben. Gar Deftiges ist dabei herausgekommen, Betrübliches, aber auch viel Humorvolles. Unbedingt lesen sollte man „Die Gäulskur", ,,De Hannes woar en Ruutlaafsfenger" oder „Die Bendersch Käth". Wie keine anderen sind die Mundartgedichte von Peter Geibel in den Selbolder Dialekt übertragbar, ohne dass am Reim etwas geändert werden muss. Dies spricht dafür, dass der Dialekt unserer Region um Gründau und Kinzig mit dem wetterauische Dialekt sehr nahe verwandt ist. Geibels Werk ist die Keimzelle mittelhessischer Mundart und damit für die Sälweder Schproochschoul "Pflichtlektüre".