Unser erstes Vorbild

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832) sagte:

Jede Provinz liebt ihren Dialekt, ist er doch eigentlich das Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft.

Johann Wolfgang von Goethe hat mit dieser denkwürdigen Aussage dem Dialekt eine große Ehre erwiesen. Der weise Spruch wird immer dann hervorgeholt, wenn es darum geht, das Mundartsprechen zu rechtfertigen, sei es im persönlichen Gespräch oder bei öffentlichen Veranstaltungen. Obwohl die Verwendung der Muttersprache eigentlich keine Rechtfertigung nötig hat, ist es doch sehr wohltuend und wirkungsvoll, wenn man zu diesem Thema einen so wichtigen Mann der Weltliteratur zitieren kann. Deshalb ist das Wort Goethes gewissermaßen oberster Grundsatz der Bemühungen, Mundart zu einem Stück kulturellen Lebens werden zu lassen.

Unser zweites Vorbild

Peter Geibel (1841 – 1901) dichtete:

,,Willst-de gäärn die Oamschel hiern, gieh en de groine Waald. 
Wann en de Noacht die Fenster friern, dann es´es meistens kaalt."

"Willst du gern die Amsel hören, geh´ in den grünen Wald.
Wenn in der Nacht die Fenster frier´n, dann ist es meistens kalt."

Vor allem in der Wetterau ist der Tierarzt aus Klein - Karben für seine Mundartgedichte bekannt. Hier hat er im ausgehenden 19. Jh. nicht nur Tiere behandelt, sondern dabei das ländliche Milieu studiert, den Leuten auf´s Maul geschaut und die Ergebnisse seiner Recherchen in Gedichten niedergeschrieben. Gar Deftiges ist dabei herausgekommen, Betrübliches, aber auch viel Humorvolles. Unbedingt lesen sollte man „Die Gäulskur, ,,De Hannes woar en Ruutlaafsfenger" oder „Die Bendersch Käth". Wie keine anderen sind die Mundartgedichte von Peter Geibel in den Selbolder Dialekt übertragbar, ohne dass am Reim etwas geändert werden muss. Dies spricht dafür, dass der Dialekt unserer Region um Gründau und Kinzig mit dem wetterauische Dialekt sehr nahe verwandt ist. Geibels Werk ist die Keimzelle mittelhessischer Mundart und damit für die Sälweder Schbroochschoul "Pflichtlektüre".