Hügelgrab am Rödelberg

Wer Anfang 2018 die Kälte nicht gescheut hat und dem Hügelgrab einen „Frühjahrsbesuch“ abgestattet hat, der schaute nicht schlecht, denn er stellte fest, dass der Zugang zum Grab vom Hauptweg her planiert und mit Hackschnitzeln präpariert wurde, so dass ein Besuch des Grabes ohne Schwierigkeiten möglich war. Denn gerade hier war früher der Weg durch anstehende Nässe und tiefe Furchen oftmals „unzugänglich“. Hinzu kam der eisige Frost über Tage einem Besuch heute sehr gelegen. Die Situation des Hügelgrabdaches hatte ich weiterhin verschlechtert, d.h. die tragenden Balken hatten sich noch einmal abgesenkt. Der Verein für Geschichte und Heimatkunde und die Stadt Langenselbold werden, wie bereits 2017 gemeinsam geplant, eine Sanierung der „Schieflage“ in Angriff nehmen. Die Finanzierung steht bis auf einige Euro, die der Verein aufbringen will. Stefan Platt, selbst Mitglied im Verein, hat sich bereit erklärt, im Vorfeld die zur Sicherung erforderlichen Betonfundamente anzubringen. Die Maßnahme der Dachsanierung (Anhebung, Fixierung) dient  nicht nur der Optik, sondern ist auch ein Beitrag zur Sicherheit für Besucher, insbesondere auch für die vielen Schulklassen, die hier regelmäßig einen Besuch machen. Nach Rücksprache mit dem "Hessenforst" ist aus Naturschutzgründen eine Sanierung erst im September d.J. möglich. Es ist zu hoffen, dass das Dach bis dahin "durchhält". Zur Information für Besucher wurden Schilder angebracht, die auf die Gefahren hinweisen.

Mitgliederversammlung 2018  -  Neuwahlen des Vorstandes

Am 9. März 2018 fand im Heimatmuseum die jährliche ordentliche Mitgliederversammlung statt, wobei dieses Mal Neuwahlen des Vorstandes für 3 Jahre auf dem Programm standen. Um 19:04 Uhr eröffnete der 1. Vorsitzende Dr. Manfred Keil die Versammlung, begrüßte die 17 anwesenden Mitglieder und berichtete nach der Totenehrung über die Aktivitäten des Vereins im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 und die Monate Januar, Februar und März 2018. Nach einem sehr positiven Bericht der Revisoren (Kassenprüfer) wurde dem Schatzmeister und dem Vorstand Entlastung erteilt. Die sich anschließende Neuwahl wurde von Herbert Steinhauser als Versammlungsleiter/Wahlen geleitet. Die Wahlen selbst erfolgten einzeln durch Handaufheben. Gewählt wurden Dr. Manfred Keil (1. Vorsitzender), Olaf Klaus (2. Vorsitzender), Helmut Urban (Schatzmeister), Eva-Maria Cziommer (Schriftführerin), Ulrich Herkrath (stellv. Schatzmeister). Für das Amt des stellv. Schriftführers fand sich an diesem Abend noch kein Mitglied bereit, es soll noch nachnominiert werden. Als Revisoren wurden wieder Herbert Steinhauser und Gertrud Heck gewählt. Damit war ein funktionsfähiger Vorstand gewählt, wobei der 1. Und 2. Vorsitzende und der Schatzmeister gemäß Satzung den rechtsmäßigen Vorstand bilden.

Urne oder Werkstück einer Töpferei?

Wir berichteten kontinuierlich über den Fortschritt der Restaurierung der „Kinzigsee-Urne“. Wir gingen davon aus, dass aufgrund der Fundstelle in der Nähe des Kinzigsees und der Hanauer Straße, wo spätbronzezeitliche Bestattungen bereits belegt waren, nur eine Urne in Frage kommt. Da aber in unmittelbarer Nähe des Fundstückes bei der Befunderhebung zunächst keine Beigaben nachzuweisen waren, waren Fachleute der Meinung, es könnte sich möglicherweise nicht um eine Urne, sondern um ein Gebrauchsgefäß für Nahrungsvorräte bzw. Getreide handeln, wobei die Datierung „späte Bronzezeit“ durchaus weiter angenommen werden kann. Kürzlich allerdings hat der Restaurator im asservierten Abfall das ca. 5 cm große Bodenfragment eines Keramiktöpfchens gefunden, das wiederum für eine Bestattungsbeigabe sprechen könnte (nicht abgebildet). 


In dem besagten Abfall fand der Restaurator außerdem noch ein Stück Brandlehm (Hüttemlehm) mit einseitigen, fingerstarken Abdrücken von Ruten, wie sie für den Bau von Hütten verwendet wurden. Auf der Rückseite fand sich ein glatter Wandverstrich. Ein ähnlicher Befund aus der mittleren Bronzezeit, allerdings mit beidseitigen Rutenabdrücken, kam 2003 bei einer Grabung auf der Flur Steinheile zum Nachweis (Irene Staeves, Modell der Flechtwand im Heimatmuseum Langenselbold). War hier etwa ein Haus abgebrannt, vielleicht sogar ein Grubenhaus? - Denn bei der archäologischen Grabung 2013 am KInzigsee fanden sich u.a. Pfostenlöcher, die auf eine Bauweise von Grubenhäusern hindeuten. Solche Grubenhäuser waren mittig eingetieft (Keller) und dienten wegen ihres feucht-kühlen Klimas oft als Werkstätten, das Dach ragte oft bis zum Erdniveau. Wozu dienten aber die Grubenhäuser in der Nähe eines Bestattungsfeldes, wenn denn hier eines vorlag? Vielleicht kann hier der Grabungsbericht weiterhelfen, der aber vom damaligen Grabungsleiter Dr. Heiner bzw. vom Denkmalamt erst noch eingeholt werden muss.

Ein lang gehegtes Geheimnis lüften

Immer wieder hat Hans Runkel, ein langjähriges Mitglied des Vereins, auf einen rundherum vermauerten Kellerraum im Rathaus hingewiesen, in dem möglicherweise noch Teile aus der Bauzeit des „Fruchtbaues“ abgestellt sind. Man erzählt sich, dass es sich hierbei um Gartenmöbel aus Sandstein handeln soll, die nicht mehr benötigt wurden. Denn, als die Isenburger Bauherren zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine große Schlossanlage nach barockem Vorbild planten und beginnen wollten, stellten Sie fest, dass die Kosten dafür ihren Etat überschreiten würden. Da die Vorbereitungen zur Gestaltung des barocken Gartens aber schon weit gediehen und eine steinerne Sitzgruppe angeschafft war, stellte sich die Frage nach deren anderen Verwendung. Da diese nicht gefunden wurde, stellte man sie im westlichen Kellerbereich des „Fruchtbaus“ ab. Wer dann auf die Idee kam, diesen Raum hermetisch zu ummauern, ist nicht geklärt. Für den Verein für Geschichte und Heimatkunde war dieser Zustand nicht zufriedenstellend und er beschloss deshalb, durch eine Bohrung und mit endoskopischem Verfahren Einblicke ins Innere des Raumes zu bekommen. Zu begründen war die Maßnahme durch das historische Interesse, das dem Zweck des Vereines laut Satzung zu Grunde liegt. Auch die Stadt Langenselbold gab grünes Licht und Stefan Platt, Chef des gleichnamigen Bauunternehmens hat sich für die Durchführung einer Kernbohrung durch ein auf Betonbearbeitung spezialisiertes Subunternehmen bereit erklärt. Diese wurde dann am 14. Dezember 2017 um 8:00 Uhr durchgeführt. Dass die Durchbohrung von meterdicken Wänden nicht leicht würde, war allen bei der Bohrung Anwesenden einschließlich der regionalen Presse klar. Nach etwa 2 m Bohrlänge konnten die beiden Bohrmeister endlich ein „Durchkommen“ signalisieren. Allerdings landete man in einer Aufschüttung aus diversen Gesteinsbrocken, u.a. Sandstein, Basalt und Granit, was auch bei der genaueren Untersuchung mittels Endoskop nur bestätigt werden konnte. Dennoch kann man jetzt aufgrund dieser Bohrung nicht auf eine „komplette“ Verfüllung dieses westlichen Kellerraumes schließen. Welche Gedanken sollten einer Verfüllung vom Fußboden bis zur Kellerdecke zugrunde liegen? Es macht einfach keinen Sinn, oder wir haben den Sinn noch nicht erkannt.

Alte Selbolder Wasserleitung

Die Akten der fürstlich-Isenburgischen Rentkammer zu Birstein bezeugen, dass Langenselbold ab 1772 eine Wasserleitung hatte, die von vier Quellen im Schwarzhaupt gespeist wurde. Auf einer etwa 8-10 km langen Strecke über den Bruderdiebacherhof, die Blinkenmühle, durch die Gründau, über die Rote Hohl zum Schlosspark beförderte sie Wasser für den Klosterberg (Schlosspark, Gärtnerei, Schloss) und einen mitten im barocken Park stehenden Springstock mit Wasserfontaine. Doch weder die anfänglichen Holzkanäle noch die Steingutröhren hielten auf Dauer Stand und mussten am Ende durch gusseiserne Leitungen ersetzt werden. Das System, das ohne Pumpkraft betrieben wurde und nur durch das Gefälle zwischen dem Schwarzhaupt und dem Klosterberg funktionierte, wurde ab 1844 wegen Unrentabilität eingestellt. Wo sich im Schlossberg das Magazin befindet, in dem die ausgegrabenen und nicht verkauften Röhren lagern, ist nicht bekannt.

Hermekruk - Anatomie eines 500-jährigen Denkmals

Von Hannah Pompalla - Hanauer Anzeiger

Als Dr. Manfred Keil mit Fürst Franz Alexander von Isenburg-Birstein im Jahr 2007 im Wald spazieren ging, machte er seinen Weggefährten auf eine mit Moos, Algen und Flechten bewachsene Stele aufmerksam. Doch er konnte ihm wenig über die myteriöse Statue sagen, die am Waldrand der „Abtshecke“ an der B40 zwischen Langenselbold und Gründau-Rothenbergen regelrecht verwilderte. Also beschloss der Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Heimatkunde Langenselbold, sie zu retten und zu erforschen. Doch noch immer gibt der „Hermekruk“ viele Rätsel auf.

Keil ließ den 2,50 Meter großen „Hermekruk“ aus Sandstein noch im Jahr 2007 restaurieren, seitdem steht er vor dem Langenselbolder Heimatmuseum. „Hermekruk“ lautet die offizielle Bezeichnung der Stele nach einer Eintragung in die topografische Karte. Die Statue zeigt ein Relief einer sogenannten Pietà, wie die Darstellungen Marias mit dem Leichnam Jesus genannt werden. Auf einer Art Sockel, der die Pietà trägt, ist die Jahreszahl 1517 in schmalen Rillen gemeißelt. Darunter ist der Spruch „GOT GNADE DER SELE AM“ (Gott Gnade der Seele, Amen) zu lesen.
 Am Sockel der Statue ist eine kniende Figur abgebildet, die in einen Umhang mit Kapuze gekleidet ist und am Rücken eine Art Hermelinmuster aufweist. Sie blickt betend zur Pieta hinauf. 
Ein Jahr lang hat Keil mit Irene Staeves, einer früheren Lehrerin in Birstein, geforscht, um das Geheimnis des „Hermekruk“ zu lüften. Ihre Ergebnisse haben sie nun im Juli unter dem Titel „Der Selbolder 'Hermekruk'. Anatomie eines 500-jährigen Denkmals“ in der Kulturzeitschrift „Hessische Heimat“ publiziert. „Wir wollen den Bürgern zeigen, was für ein wertvolles Denkmal wir hier vor der Tür haben. Es ist ein Symbol für die Stadt Langenselbold“, sagte Keil bei einer Präsentation der Forschungsergebnisse am Donnerstag. 
Es ranken sich viele Sagen um den „Hermekruk“. Eine der hartnäckigsten unter ihnen ist etwa, dass die Statue dem verunglückten Consul und Bürgermeister von Gelnhausen, Hermann Krug, gewidmet ist. Dieser hatte im 16. Jahrhundert gelebt und soll durch eine Holzfuhre zu Tode gekommen sein, die sich den Wingertshang hinab selbstständig gemacht hatte. Dafür spreche sein Grabstein in der Peterskirche zu Gelnhausen, der einen ähnlichen gotischen Vorhangbogen mit apikalen Kreuz getragen haben soll wie der „Hermekruk“. 
Aber diese Begründung hält Keil für nicht ausreichend. Merkwürdig findet er vor allem die grobe Behauung des Steins. „Der Künstler hat entweder sehr schnell gearbeitet oder er war kein Profi. Vor allem die Schriftzüge sind sehr dillettantisch“, so Keil. Es könnte sich genauso gut um einen Mönch gehandelt haben, der einem verstorbenen Klosterbruder ein Denkmal setzen wollte.
Zudem bedeutet „Herme“ oder „Hirme“ auf Mittelhochdeutsch ruhen und rasten. Das „Kruk“ könnte vom mittelhochdeutschen „Kriuz“ kommen, das wiederum vom lateinischen „crux“ für Kreuz stammt. Somit würde es sich um ein Ruhekreuz handeln, an dem man etwa während einer Wanderschaft eine Ruhepause einlegt. 
Diese These könnte eine Art Wappen auf der rechten Seite der Statue untermauern, dessen Relief oft für ein Weihwasserbehälter gehalten wird. Keil zufolge könnte es auch einen Widderkopf verkörpern. Das könnte auf Hermes hindeuten, der in der griechischen Mythologie der Schutzgott des Verkehrs, der Reisenden, Kaufleute oder der Hirten war. Das Mittelhochdeutsche „Harm“ heißt hingegen Leid und Schmerz. In Kombination mit einem Kreuz würde die Statue also ein Leidenskreuz darstellen. In Verbindung mit der Pietà und dem Spruch „Gott Gnade der Seele, Amen“, scheint es für Keil daher das Naheliegenste zu sein, dass es sich um einen Gedenkstein für eine verunglückte Person handelt. „Allerdings bleibt offen, für wen er geschaffen wurde und was passiert ist“, sagte Keil.
Ein Rätsel bilden auch die Schleifrillen an der linken Seite der Stele: Die flachen Mulden deuten wohl darauf hin, dass die Menschen hier Waffen oder Werkzeuge entschärft haben. Schließlich sind Wetz- und Schleifspuren öfters an Steinkreuzen oder Kirchenportalen zu finden: Früher war es Sitte, die Waffen vor dem Kirchgang zu entschärfen.
Unklar bleibt unterdessen, wo der „Hermekruk“ eigentlich herkommt. Denn bevor der „Hermekruk“ vor dem Museum aufgestellt wurde, war er an mindestens drei Standorten platziert. Dokumentiert ist, dass er sich im 19. Jahrhundert in den Kinzigwiesen von Langenselbold befand, etwa 300 Meter südlicher der Straße westlich des Betteweges, beim heutigen Weg zum Segelflugplatz. Er war einem Landwirt im Weg, der ihn deshalb vergrub. 1910 wurde der behauene Stein wieder ausgegraben und an die Fernstraße umgesetzt, bis er 1968 wegen Ausbaumaßnahmen der B 40 rund 100 Meter weiter in den Wald hinein nach Norden verrückt wurde. Vermutet wird außerdem, dass der Sandstein nicht aus Langenselbold stammt – das Gestein sei hier zu weich –, sondern eher aus Meerholz oder Büdingen.

Publikationen und Geschichtsblatt

Im Juli 2017 ist in der "Hessische Heimat" 67/1, 2017 eine Arbeit von Manfred Keil und Irene Staeves über den "Hermekruk" mit dem Untertitel "Anatomie eines 500jährigen Denkmals" (Lutherjahr!) erschienen. Diskutiert werden vor allem die handwerkliche Arbeit, die vielen Zeichen und der Anlass zur Fertigung der Stele aus Sandstein, die vor dem Heimatmuseum Langenselbold steht. Der Geschichtsverein nimmt die Publikation als Grundlage für das neue Geschichtsblatt Nr. 59. Dieses ist wie bisher im Museum als Kopie erhältlich. Für die, die das ganze Heft der "Hessischen Heimat" erwerben möchte, hält das Museum eine begrenzte Anzahl von Exemplaren parat. Auch in den Selbolder Buchhandlungen Borchers und Büchermeer ist es erhältlich.