Das Mittelalter in Selbold

Kloster Selbold und die Zeit danach

Den Klosterberg gibt es heute noch, aber das Kloster ist Vergangenheit. Was davon geblieben ist, es wurde 1108 erstmals urkundlich erwähnt,  hat man im Heimatmuseum Langenselbold gesammelt und ausgestellt. Es gibt nicht viel, was von den  alten Mauern hinüber gerettet wurde in die Neuzeit des 18. Jahrhunderts und heute. Die wenigen Teile des Bauwerkes, die gerettet werden konnte, man nennt sie Spolien, sind bewahrt. Im wesentlichen handelt es sich um Teile staufischer Baukunst, die in Nachfolgegebäuden des Klosters verbaut wurden, in den meisten Fällen aus dem Sandstein der Gegend. Wen es interessiert, kann sich die Spolien im Lapidarium des Heimatmuseums anschauen oder er begibt sich auf einen Rundgang durch das Schlossareal und lässt seinen Blick über das Mauerwerk der östlichen und westlichen Herrenscheunen schweifen. Hier nämlich haben die Isenburger Klosternachfolger bewusst auch die historisch interessanten Mauerteile des Klosters als Bausteine benutzt, wodurch sie natürlich die Baukosten senken konnten. Auf diese Weise wurden die historisch interessanten Gebäudeteile immerhin gerettet.

Die neolithische Revolution

Bandkeramische Artefakte in Langenselbold

Die frühesten Siedler waren die Bandkeramiker, benannt nach den band- oder linienartigen Ornamenten auf ihrer Keramik. Bruchstücke von Haushaltskeramik fanden sich auch in Langenselbold, z.B. im Weihertsfeld nördlich der B 40 zwischen dem östlichen Stadtrand und der "Abtshecke". Fleißige Feldbegeher aus der Gruppe der ehrenmtlichen Helfer der Kreisarchäologie fanden auf einem Acker Scherben mit den klassischen Mustern bandkeramischer Kultur aus den Anfängen der Jungsteinzeit (Neolithikum). Was für den Laien zunächst als  Fragmente von Töpfen aus der Gegenwart wahrgenommen wurde, entpuppte sich bei fachlicher Betrachtung als kleines Highlight neolithischer Kultur etwa um 5700 vor der Zeitrechnung, als man begann, sesshaft zu werden und Ackerbau zu betreiben, so also auch in Langenselbold an der B 40. Der Ackerbau im Weihertsfeld mit immer größer werdenden Geräten wird sicher noch zahlreiche weitere Scherben "vergraben" haben. Ob der Aufwand, nach ihnen weiter zu forschen, lohnt, sei dahingestellt.

Die späte Bronzezeit in Selbold

Nomen est Omen: "Urnenfelderzeit"

Wie der Name schon vrkündet, haben wir es mit einer vorgeschichtlichen Zeit zu tun, in der die Menschen ihre Toten verbrannt und in Urnen bestattet haben. Diese geschichtliche Periode folgt der "Mittleren Bronzezeit" und ist vor der Hallstattzeit (frühe Kelten = Rödelberg-Hügelgrab, ca. 800 v.Chr.) angesiedelt.

Als im Sommer 2007 die Bautätigkeit am Kinzigsee begann, stieß man auf Teile frühgeschichtlicher Siedlungen, die eine umfassende archäologische Untersuchung erforderlich machte. Im Rahmen dieser "amtlichen" Untersuchung, konnten ehrenamtliche Mitarbeiter des Vereins für Geschichte und Heimatkunde Langenseslbold (Dr. M. Keil,. H. Langguth) die archäologische Grabung begleiten. Dabei kam es zur Bergung eines großen Keramikgefäßes, das von H. Langguth im Heimatmuseum restauriert, d.h. aus vielen Einzelteilen zu einem ganzen Gefäß zusammengefügt wurde. Diese restaurierte Urne ist heute im Langenselbolder Museum als Typ spätbronzezeitliche Keramik ausgestelltt. Aufgrund seiner Größe kam zunächst der Verdacht auf, dass es sich nicht um eine Urne, sondern ein Vorratsgefäß handel könnte, da im Gefäß kein Leichenbrand gefunden werden konnte. Dieses Geheimnis bleibt also ungeklärt.

Kelten in Langenselbold

Archäologische Funde in einem Grabhügel des Rödelberges

Auch Langenselbold hatte eine vorgeschichtliche Vergangenheit, also eine Zeit vor Christi Geburt. Fortschritte in der archäologischen Forschung haben neue Erkenntnisse hinsichtlich Besiedlungs- und Bestattungswesen der Menschen damals gebracht. So wurden z.B. auf dem Rödelberg über 20 Hügelgräber entdeckt, die meisten davon relativ gut erhalten. Eines davon konnte der Verein in den Jahren 2010-2011 mit Hilfe regionaler Archäologen fachgerecht aufgraben. Neben der Erkenntnis, dass schon Grabungsversuche vorausgegangen waren, wurde klar, dass das Hügelgrab in die Hallstattzeit zu datieren ist, also die frühe keltische Zeit etwa um 700-800 v.Chr.

Von der Bestattung waren Reste des Verstorbenen nicht mehr nachweisbar. Vermutlich hat der Boden am Rödelburg, das Rotliegend, aufgrund seines niedrigen pH-Wertes auch die Knochen des Verstorbenen völlig aufgelöst. Dennoch war mit Wahrscheinlichkeit zu vermuten, dass es sich um die Grablege eines angesehenen Menschen der frühen Kelten handelt, ein Krieger, denn er trug ein bronzenes Schwert bei sich, das in die frühkeltische Zeit passte. Daneben fanden sich keramische Grabbeigen und ein Toilettebesteck im Holzetui, die auf eine gesellschaftlich höher gestellte Person hinweisen, denn als Krieger war man damals per se eine hochangesehene Person.

In einer Grabnachbildung im Maßstab 1:1 wurde im Muserum Langenselbold die Situation um die Grabung nachgestellt. Das fehlende Skelett des Toten wurde aus Anschuungsgründen nachgekauft und entsprechend hergerichtet.