Auch das gehört zu Selbolds Geschichte

Langenselbold hatte bis zur NS-Zeit eine große jüdische Gemeinde, man zähte bis zu 400  Gemeindemitglieder, die sich in dem Ort verteilten. Ein bekanntes Wohngebiet war die "Judengasse", die heute Schäfergasse heißt. Dort stand auch die Synagoge, die aber später in den Steinweg umsiedelte. Das Gebäude in der "Jurregasse", ein schlichtes, aber schönes Fachwerkhaus, ist heute noch gut erhalten, auch eine Mikwe (Judenbad) war dort vorhanden.

Wie auch in vielen anderen Kommunen kam es in Langenselbold zu Deportationen in die Konzentrationslager. Eine Gruppe von Langenselboldern (Stolpersteingruppe) hat 2020 aus diesem Grund ein Denkmal am Rathausvorplatz errichtet, auf dem alle Deportierten mit Namen und Wohnsiitz zur Erinnerung vermerkt sind.

Amtsgebäude im Vergleich

Der Name Selbold / Langenselbold

Über den Namen Selbold, insbesondere seine etymologische Bedeutung, gibt es die unterschiedlichen Erklärungen. Welche davon zutrifft, ist nicht bekannt. Wer aber mehr wissen möchte zur Geschichte der Ortsbezeichnung, kann sich im Heimatmuseum der Geschichtsblätter 12 (Maldfeld) oder 45 (Biehl) bedienen. Sie sind im Heimatmuseum gegen eine kleine Schutzgebühr erhältlich.

Literatur

Im Heimatmuseum Langenselbold gibt es genügend Literatur zur Geschichte der Stadt Langenselbold, von deren Ersterwähnung im Mittelalter 1108 bis hin zur Neuzeit des 20. Jahrhunderts. Aber auch Vorgeschichtliches aus der letzten Eiszeit über die Steinzeit bis hin zu den Kelten ist beschrieben. Besonders zu erwähnen sind hier die Publikationen von Julius Hufnagel,  Dr. Walter Nieß oder Ludwig Lehr. Kurzgefasste geschichtliche Überlieferungen finden sich auch in den "Geschichtsblättern" des Vereins. Sie sind im Einzelnen unter "Veröffentlichungen" aufgeführt.

Das rätselhafte Kloster Selbold

 

Im Heimatmuseum Langenselbold liegt genügend Informationsmaterial zum Kloster Selbold vor. Klösterliches Leben gab es von 1108, der Ersterwähnung, bis zur Auflösung des Stiftes 1543. Von hier ab folgte die Herrschaft der Birsteiner Grafschaft bzw. des Fürstentums Isenburg. Von diesem Kloster, vor allem seinem internen Leben, weiß man nicht allzu viel. Man weiß aber, dass das Kloster selbst auf dem nach ihm benannten Klosterberg lag und großen Einfluss hatte, nicht nur in unmittelbarer Nachbarschaft. Sein Einfluss reichte bis in den Rheingau. In der Nähe gab es die Tochterklöster Meerholz und Konradsdorf, beide Frauenklöster.

Im Museum kann man gerne die zum Kloster passende Literatur einsehen und auch erwerben.

Museumsbesucher fragen immer wieder nach dem Aussehen des Klosters und dessen Lage bzw. Ausdehnung auf dem Klosterberg. Dazu gibt es nur wenig Anhaltspunkte, die Fotografie war im Mittelalter noch nicht erfunden. Dennoch ist es dem Verein für Geschichte und Heimatkunde gelungen, Bauteile des Klosters zu bewahren und auszustellen. Selbst in den heutigen Isenburgischen Gebäuden (Schloss und Nebengebäuden), wozu auch das Heimatmuseum gehört, kann man auf den Spuren hochmittelalterlichen Bautechnik wandern. Basen und Kapitelle kirchlicher Bauten und aus einer archäologischen Grabung 1982 gehobene Bauteile des Klosters sind vorhanden. Wenn man sorgfältig die heutigen Gebäude auf dem Klosterberg  absucht, so findet man an nahezu allen Wänden Bauteile des früheren Klosters vermauerte Bruchstücke von Klostergebäuden, sie werden als Spolien bezeichnet. Durch solche Spolien und die gute Kenntnis mittelalterlicher Bautechniken ist man durchaus in der Lage, sich ein Bild des Klosters in Selbold machen zu können. Dazu kommen überlieferte Zeichnungen von den Klöstern Meerholz und Konradsdorf, die einen Gesamteindruck der Anlagen vermitteln und aufgrund der etwa zeitgleichen Erbauung als Vergleich gelten können.  Den Rest muss die Vorstellungskraft bewirken. Die folgenden Abbildungen z.B. geben einen Eindruck staufischer Baukunst. Auch die kürzlich von dem Geschichtsverein Hanau übernommenen Säulenteile kirchlicher Bauwerke tragen zum Gesamteindruck wesentlich bei. Hier kann nur ein flüchtiger Eindruck vom Kloster Selbold vermittelt werden. Will man diesen vervollstänigen, so ist ein Besuch des Heimatmuseums Langenselbold unbedingt anzuraten.

 

Der Bachtanz von Selbold, Ersterwähnung 1658

Uns kürzlich von Reinhard Berg überlassenen Farbdiapositive zeigen einmal den Bachtanz nicht in üblichem Schwarz-Weiß, sondern in  echten Farben und guter Qualität. 

Wenn auch der Bachtanz durch den Mißbrauch der Nationalsozialisten wegen deren Blut- und Bodenideologie  in Verruf geraten  ist, so ist es dennoch ein schöner historischer Brauch, der heute nach langer Abstinenz wieder einen Aufschwung erlebt hat. Der Brauch wird wieder gepflegt und erfreut sich großer Beliebtheit. Deshalb sollen die in den Bildern allgegenwärtigen "Braunhemden" und "Hakenkreuzfahnen" nicht stören, dennoch aber an die schwere Zeit erinnern und als Mahnung dienen.