Denkmäler in Langenselbold, eine Auswahl. Einige von ihnen mussten der neuen Zeit geopfert werden.

Denkmäler Gründaufurt und Totenhof (Goehrick, Keil)

Was ist davon erhalten?

Wer am evangelischen Gemeindezentrum in der Hinserdorfstraße vorbeikommt und die Augen offen hält, entdeckt in der Mauer des historischen Totenhofes ein Radkreuz aus Sandstein. 

So richtig weiß man heute noch nicht, wo dieses Radkreuz früher einmal angebracht war. Nach Völker (1984) stammt es von der "Peterskirche" (1298-1854), wo es als Weihe- und Apostelkreuz diente. Bis zur Reformation war das Radkreuz auch päpstliches Symbol. Eine Deutung besagt weiter, dass das Kreuz auf dem Totenhof  in der Giebelwand einer der Kirchenbauten auf dem Friedhof als Zierde bzw. Licht- u. Luftloch gedient haben könnte. 

Tatsache ist, dass das Radkreuz nach seiner Entfernung vom Ursprungsort eine Verwendung als "Baustein" in Denkmalform in der Mauer zur Hinserdorfstraße gefunden hat (Spolie). Wie auf einem Foto vom Bachtanzfest in den 1930er bzw. 1940er Jahren deutlich erkennbar ist, war das Kreuz in der Totenhofmauer etwa in Kopfhöhe eingelassen (Foto).  Auf einer historischen Skizze (Lehr) sowie einer Federzeichnung (Völker) wird die Marienkapelle so dargestellt, dass diese in die Mauer integriert erscheint. Stimmte das, so könnte auch die Marienkapelle als Ursprungsort in Betracht kommen. Da sie schon 1724 abgerissen wurde, fehlen auch hier die Zeitzeugen oder gezielte Überlieferungen.

Für weitere Hinweise aus der Bevölkerung ist der Verein dankbar.

Literatur

Emil Biehl - Der Selbolder Totenhof, VGHL Geschichtsblatt Nr. 42

Ludwig Lehr - Die Geschichte der Stadt Langenselbold, S. 28 ff, VGHL 1992

W. Völker - Langenselbold in alten Ansichten, Europ. Bibl., Zaltbommel 1987

 

 

 

Weitere Selbolder Denkmäler

Der Langenselbolder Wasserturm

Ein Industriedenkmal (!?)

 

Mit seinem obersten Drittel ragt er aus dem Wald der Abtshecke, einem Waldgebiet östlich des Weinbergs an der alten Handelsstraße Frankfurt - Leipzig, heute Wanderweg, der Selbolder Wasserturm. In wenigen Jahren wird er  wegen zunehmenden Bewaldung vom Weg aus nicht mehr zu sehen sein, was für Ortsunkundige vielleicht  heute schon der Fall ist.

Was hat es mit dem Turm auf sich?

Die Geschichte dieses Bauwerkes geht auf das Jahr 1872 zurück. Hier hat das eigens dafür gegründete "Comite zur Herstellung der Vogelsberger Quellwasserleitung"  eine Wasserleitung  von Fischborn im Vogelsberg  nach Frankfurt am Main  in die Erde verlegt, um die Frankfurter Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen. Eine weitere Zuleitung kam aus dem Spessart. Auf dem fast höchsten Punkt der Gemarkung von Langenselbold wurde ein Turm errichtet, der  u.a. die Funktion hatte, die lange Leitung regelmäßig zu überprüfen (Druck, Entlüftung). Diese Aufgabe wurde von einem Selbolder Einwohner in bestimmten Abständen vorgenommen. Der Leitungsverlauf ist in der Abtshecke heute noch an den Markierungssteinen FQL (Frankfurter Quellwasser Leitung) zu erkennen. Der Turm selbst  sowie ein Bereich um den Turm gehörte damals der Stadt Frankfurt - vor einigen Jahren gingen Turm und Gelände wieder zurück an die Stadt Langenselbold, die es eingezäunt hat und zu Naturlehrzwecken nutzt . In Frankfurt an der Friedberger Landstraße findet sich ebenso ein Wasserturm (Pumpwerk, Bild), in das die historische Wasserleitung von Vogelsberg und Spessart mündete, ein besonders schönes Industriedenkmal.

Für den Geschichtsverein von Langenselbold ist der Turm nicht nur ein Wahrzeichen der Kommune mit interessanter Geschichte, sondern auch ein schützenswertes Denkmal. Leider wird der Turm bald nicht mehr vom Weg aus zu sehen sein, weil er vom Wald überragt werden wird.

Es wäre eine gemeinsame Anstrengung wert, dieses Industriedenkmal zu erhalten und zu schützen und das Areal um den Turm für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ohnehin liegt es am Wanderweg von Langenselbold nach Gelnhausen und in seiner unmittelbaren Nähe fand sich im Mittelalter ein Hochgericht mit Galgen als Hinrichtungsstätte (Skizzen), alles Kriterien, die für eine Würdigung durch den Erhalt des Denkmals sprechen.