Denkmäler in Langenselbold, eine Auswahl. Einige von ihnen mussten der neuen Zeit geopfert werden.

Der Langenselbolder Wasserturm

Ein Industriedenkmal (!?)

 

Mit seinem obersten Drittel ragt er aus dem Wald der Abtshecke, einem Waldgebiet östlich des Weinbergs an der alten Handelsstraße Frankfurt - Leipzig, heute Wanderweg, der Selbolder Wasserturm. In wenigen Jahren wird er  wegen zunehmenden Bewaldung vom Weg aus nicht mehr zu sehen sein, was für Ortsunkundige vielleicht  heute schon der Fall ist.

Was hat es mit dem Turm auf sich?

Die Geschichte dieses Bauwerkes geht auf das Jahr 1872 zurück. Hier hat das eigens dafür gegründete "Comite zur Herstellung der Vogelsberger Quellwasserleitung"  eine Wasserleitung  von Fischborn im Vogelsberg  nach Frankfurt am Main  in die Erde verlegt, um die Frankfurter Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen. Eine weitere Zuleitung kam aus dem Spessart. Auf dem fast höchsten Punkt der Gemarkung von Langenselbold wurde ein Turm errichtet, der  u.a. die Funktion hatte, die lange Leitung regelmäßig zu überprüfen (Druck, Entlüftung). Diese Aufgabe wurde von einem Selbolder Einwohner in bestimmten Abständen vorgenommen. Der Leitungsverlauf ist in der Abtshecke heute noch an den Markierungssteinen FQL (Frankfurter Quellwasser Leitung) zu erkennen. Der Turm selbst  sowie ein Bereich um den Turm gehörte damals der Stadt Frankfurt - vor einigen Jahren gingen Turm und Gelände wieder zurück an die Stadt Langenselbold, die es eingezäunt hat und zu Naturlehrzwecken nutzt . In Frankfurt an der Friedberger Landstraße findet sich ebenso ein Wasserturm (Pumpwerk, Bild), in das die historische Wasserleitung von Vogelsberg und Spessart mündete, ein besonders schönes Industriedenkmal.

Für den Geschichtsverein von Langenselbold ist der Turm nicht nur ein Wahrzeichen der Kommune mit interessanter Geschichte, sondern auch ein schützenswertes Denkmal. Leider wird der Turm bald nicht mehr vom Weg aus zu sehen sein, weil er vom Wald überragt werden wird.

Es wäre eine gemeinsame Anstrengung wert, dieses Industriedenkmal zu erhalten und zu schützen und das Areal um den Turm für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ohnehin liegt es am Wanderweg von Langenselbold nach Gelnhausen und in seiner unmittelbaren Nähe fand sich im Mittelalter ein Hochgericht mit Galgen als Hinrichtungsstätte (Skizzen), alles Kriterien, die für eine Würdigung durch den Erhalt des Denkmals sprechen.